Cima di Rosso

Die Geschichten zu drei Tagen in der schönen Schweiz



Nach unserem Ausflug auf das Schareck über die Mittlere Eisrinne (hier nachzulesen) haben wir definitiv Blut geleckt: mindestens eine Rinne oder Nordwand muss es heuer noch sein! Nachdem sämtliche potentiellen österreichischen Hütten leider schon geschlossen haben, fällt die Wahl auf die schöne Schweiz. Die Fornohütte als Stützpunkt und als Hauptattraktion die Cima di Rosso Nordwand sollten es werden.

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Tag 1: Anreise und Hüttenzustieg

„Sauviele Baustellen, die Schweizer“ vier Worte, die den Weg durch die Schweiz zum Malojapass besser nicht beschreiben könnten. So lange wie uns die Autofahrt durch die Schweiz vorkam, genauso lange zog sich der Hüttenzustieg durch das schier endlose Val Forno. Nach über 8km erreichen wir endlich den Fornogletscher auf 2200m. Umzingelt von 3000ern eröffnet sich uns ein atemberaubendes Panorama. Direkt vor uns die Torrone-Gruppe mit dem imposanten Finger Ago del Torrone und natürlich die Cima di Rosso Nordwand- was für ein Anblick! Wir halten uns am linken Gletscherrand und steigen schlussendlich über einen steilen Hang hoch bis zur Fornohütte auf 2574m. An dieser Stelle eine absolute Empfehlung der Hütte! Exzellente Bewirtung die absolut keine Wünsche offen lässt und ein Hüttenteam, welches auch an den letzten Tagen der Saison noch zuvorkommend und wahnsinnig gastfreundlich ist! Wir lassen den restlichen Nachmittag gemütlich auf der Terrasse ausklingen und genießen nach einem üppigen 4-Gang Abendessen eine angenehme Nacht in unserem Lager.

Tag 2: „A Northface in the morning”

Tagwache 04:40 Uhr, Frühstück um 05:00, Aufbruch um 05:45 Uhr.
Da der „normale“ Weg zur Cima di Rosso Nordwand ZU normal wäre, geht’s für uns an die „Advanced-Version“. Wir fahren von der Hütte nicht auf den Gletscher ab, sondern halten uns direkt nach Süden auf die gegenüberliegende Nordflanke zu. Vorbei an der riesigen Gletscherhöhle auf ca. 2500m nehmen wir den direkten Weg hinauf zur 2848m hohen Scharte auf den Westgrat des Monte Rosso, der uns in kurzer Kraxelei auf den 3087m hohen Gipfel bringt.

„Perfekt zum Warmwerden würde ich sagen“
Der Monte Rosso bietet einen atemberaubenden Blick in die direkt gegenüberliegende Nordwand des Cima di Rosso.
Die Vorfreude steigt bei diesem Anblick ins schier Unermessliche und somit geht es über die süd-ost Flanke des Monte Rosso hinunter und durch den Kessel, ehe wir am Fuße der rund 400hm hohen Wand stehen.

„Let the games begin“
Steigeisen angezogen, Eisgeräte in die Hände genommen, Allrad eingeschalten und los geht’s. Komplett fokussiert vergeht die Zeit wie im Flug. Die Verhältnisse in der oberen Hälfte der Wand sind perfekt und durch die bereits geleistete Spurarbeit von unseren Vorgängern kommen wir sehr schnell voran- für unseren Geschmack viel zu schnell!
Einen gefühlten Wimpernschlag nach dem Einstieg befinden wir uns bereits auf der Scharte, wo sich der Ausstieg aus der Wand und der Normalweg treffen. Perfekt fürs um-die-Wette-strahlen am Gipfel, lässt sich nun auch die Sonne wieder blicken!
Bei der Abfahrt über den Normalweg machen wir noch einen kleinen Abstecher auf den Monte Sissone 3327m und fahren anschließend über perfekte Firnhänge und den langen, flachen Gletscher zurück.


Tag 3: Früh, gemütlich und lange

Tagwache 03:40 Uhr, Frühstück um 04:00, Aufbruch um 04:45 Uhr.

Nachdem der eigentliche Plan, die Nordwand des Torrone Centrale, gekappt wurde, entscheiden wir uns für eine gemütliche Tour auf den Cima di Castello 3376m und den Cima di Cantun. Noch vor Sonnenaufgang befinden wir uns bereits im Gletscherbecken und marschieren Richtung Süden.

„Definitiv gemütlicher zum Aufwachen, als gestern“
Am Gletscherende angekommen, ziehen wir rechts hinauf und über kupiertes Gelände gelangen wir zur Scharte zwischen den beiden Gipfeln. Wir teilen uns auf, Andi und Hans machen sich auf den Weg Richtung Castello, wir (Martin und Julia) wechseln von Skier auf Steigeisen und „erklimmen“ den Cima di Cantun.
Nachdem Julia die Gipfelmadonna am Castello als Andi oder Hans abgestempelt hat und Sätze wie „was machen die so lange am Gipfel?“ gefallen sind, konnten die Beiden später Aufklärungsarbeit leisten, was unweigerlich zum Satz:

„Der einzige Berg hier der was am Gipfel stehen hat, und genau da geh’n wir nid rauf!“

geführt hat. Für ich-geh-nur-auf-einen-Berg-mit-Gipfelkreuz-Julia ein derber Schlag in die Magengegend. Im Gegenzug dafür, setzen wir (Martin und Julia) die ersten Schwünge in die unberührten Firnhänge während Andi und Hans noch die Überschreitung des Cima di Cantun anhängen und hinter dem Sommergipfel über die Ostflanke abfahren.

„Zurück in den Frühling“
Beim Auto angekommen werfen wir einen, doch wehleidigen Blick, zurück ins Tal. Es ist immer wieder beeindruckend, wie nahe beieinander zwei komplett verschiedene Welten liegen. Während im Tal bereits die Krokusse blühen, werden ein paar Kilometer weiter Nordwände erklommen.   


Fornohütte
 

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