Glocknerwand-Überschreitung

„Auf und Nieder- immer wieder“- Sisyphusarbeit auf über 3000m Höhe



Wie so oft in letzter Zeit, entstehen unsere Touren

  1. Aus einer nicht-ganz-ernst-gemeinten Idee und
  2. Aus nicht-ganz-ernst-gemeinten Zusagen

Und da sind wir also wieder einmal, in Kals am Parkplatz des Lucknerhauses am Fußes des Großglockners.

Vorbei an Steinen die aussehen wie Adler und Steinböcke die Gott sei Dank welche sind, machen wir uns auf den Weg hinauf zur Stüdlhütte, immerhin wollen wir das wohlbekannte und heißgeliebte Abendbuffet nicht verpassen!

Nach kurzem Erfahrungsaustausch mit einem Bergführer (er hatte die Woche davor die Glocknerwandüberschreitung in 5,5h auf den Gipfel gemacht!) beschließen wir unser Projekt einmal mehr unter das Motto „hauptsache gesund wieder runter“ zu stellen. Lange bleiben wir unseren Lagerplätzen nicht fern, der zeitige Wecker ist schon gestellt.

Netterweise stehen im Frühstücksraum Thermoskannen mit heißem Wasser für uns parat, ein kurzer Bissen vom Lunchpaket sowie ein paar Schlucke wärmender Tee sind um 4 Uhr morgens drin, bevor es raus in die Dunkelheit geht.

„Geh ma lieber aufm Gletscher, nicht das wir wieder den Luisengrat gehen. Hab gehört der ist nicht so toll.“

Im Schein der Stirnlampen folgen wir dem bekannten Weg auf die Schere und weiter auf das Teischnitzkees. Viele kleine und große Spalten erschweren uns ein schnelles Vorankommen, trotzdem finden wir uns pünktlich zum Sonnenaufgang am Teufelskamp wieder.

„Ein kurzer Moment der absoluten Ruhe. Spürst du die wärmenden Sonnenstrahlen in deinem Gesicht?“

Wir reißen uns los, ein langer Weg wartet. Insgesamt stehen 11 3000er auf dem Plan, aber auch nur weil jede (verdammte) Spitze einen Namen hat. Ich darf vorstellen:

  • Hoffmannsspitze 3.711 m
  • Pöschlturm 3.721 m
  • Gerinturm 3.718 m
  • Draschturm 3.716 m
  • Weitzenböckturm 3.710 m
  • Peterkaturm 3.715 m
  • Hörtnaglturm 3.719 m
  • Teufelshorn 3.677 m
  • Glocknerhorn 3.680 m
  • Großglockner 3.798 m
  • Kleinglockner 3.770 m

Zügig bestreiten wir kletternd die ersten Höhenmeter, die danach und auch die anschließenden Höhenmeter. Der Fels ist durchwegs sehr griffig, also eine Gratkletterei par excellence. Ziemlich bald erhaschen wir den ersten Blick aufs Gipfelkreuz des Großglockners- so Nah und doch so Fern!

Die Kletterpassagen werden unterbrochen durch Abseilstellen. Oder werden die Abseilstellen von Kletterpassagen abgelöst? Zwischenzeitlich schwindet die Euphorie des Kletterns, immerhin wissen wir bald, dass nach fast jedem Turm eine Abseilstelle eingerichtet ist. Wir nehmen unser Schicksal an und nach der 9. Abseilstelle würden wir uns alle die Note „Sehr Gut“ im Fach „Seilhandling“ geben. Seil aufschießen und Seil-Knoten-Wurst-Salat-lösen sind mittlerweile blind möglich.

„Auf und Nieder- immer wieder“

Nach dem Glocknerhorn können wir es kaum glauben, nur noch das Schneefeld überqueren, schnurstracks den Nordwest Grat rauf und der Gipfel ist unser! Ohne weitere Schwierigkeiten und selbst unbeeindruckt von den kurzen Graupelschauern kann uns nichts mehr von unserem Gipfelsieg abhalten.

Die Gipfelrast fällt in Anbetracht des langen Abstieges, der fortgeschrittenen Uhrzeit sowie der Wetterprognosen 1-Gipfelselfie-kurz aus, der aufziehende Nebel und die damit verbundene semi-gute Aussicht tun ihr übriges. Das Glocknerleitl ist in einem katastrophalen Zustand. Schnee ist keiner mehr vorhanden und somit kämpfen wir uns in einer Schlammschlacht mühsam dieses undankbare steile Stück hinunter.

Als wir endlich am Ende des Ködnitzkees angelangt sind und uns gerade unseren Steigeisen entledigen, kommt mit voller Wucht und mit 4 Stunden Verspätung das angekündigte Gewitter. Den weiteren Abstieg bringen wir schnellen Schrittes hinter uns.

Wir sind die gesamte Tour am kurzen Seil gegangen, zwei Seilschaften zu je zwei Leuten. Die meisten Anderen haben die Tour ungesichert bestritten, wir für uns haben uns fürs Seil entschieden. Die Zeitersparnis ohne Seil ist minimal und die kann man sicher in einer schnellen Abseiltechnik wieder herausholen!

Die Wegfindung ist immer logisch- direkt am Grat. Typische „Verhauer“ sind fast unmöglich, bzw. merkt man schnell, dass man dort nicht mehr weiterkommt.

Alles in Allem eine wirklich empfehlenswerte Tour für alle Gratliebhaber die genug Ausdauer und Sicherheit am Felsen besitzen.

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