Klagenfurter Jubiläumsweg

Tagwache: 03:20 Uhr Früh.
Abfahrt: kurz nach 04:00 Uhr.


Unser Ziel: Heiligenblut, aber erst morgen.
Ein freundliches Gesicht lässt uns um 04:50 Uhr, 10 Minuten vor offiziellem Dienstbeginn, den Weg zu unserem ersten Zwischenziel antreten- über die Großglockner Hochalpenstraße auf das Hochtor. Es ist kalt. Und windig. Keiner von uns Drei will recht aus dem warmen Auto aussteigen. Es ist kurz vor halb 6 Uhr Früh- euer Ernst? Unser Ernst! Es werden Jacken drübergezogen, Schuhe umgezogen, Handschuhe angezogen. Mehr oder weniger bereit starten wir Richtung Osten, der, hoffentlich wärmenden, Sonne entgegen.
Hinter einer kleinen Scharte erblickten unsere noch müden Augen neben der Sonne, einen wahrlich traumhaften Ausblick auf das vor uns liegende Hochplateau. Neben dem weiteren, gut ersichtlichen Wegverlauf konnten wir bereits unser heutiges Tagesziel, den Hohen Sonnblick mit seinem Observatorium, in weiter Entfernung erkennen.
Nach gut einer Stunde verließen wir den breit angelegten Wanderweg, der uns über die Rossscharte (2.599 m) und die Weißenbachscharte (2.645 m) führte, weiter Richtung Hinteres Modereck (2.930m).

Der perfekt markierte Weg wurde felsiger und nach ca. 2 Stunden Gehzeit standen wir auf dem ersten Gipfel inkl. Gipfelkreuz. Unsere Berggespräche kamen nicht so richtig ins laufen, mehr als „so wunderschön“ und ein zustimmendes Gemurmel der beiden anderen wurde es noch nicht. Jeder war mal an der Reihe- 1x Reden und 2x murmeln. Das muss vorerst genügen- dachte sich wohl jeder. Weiter über den Grat mit leichten, gesicherte Klettereien, Blockgelände und zwischendurch Gehgelände, passierten wir die Noespitze (3.005m- erster 3.000er heute!) und den Krumlkeeskopf (3.101m). Abgestiegen in die Krumlkeesscharte, statteten wir dem Otto-Umlauft-Biwak einen kleinen Besuch ab.
Die allgemeine Redebereitschaft stieg exponentiell mit den zurückgelegten Kilometern, und das waren doch einige, an. Böse Zungen behaupten, es liege an dem, schon langsam wahrnehmbaren, Geruch von Weizen Cola am Zittelhaus. Oder an der mittlerweile humanen Uhrzeit. Man weiß es nicht genau. Über die Arlthöhe (3.084m) und das Schneehorn (3.062m) ging es über den Nordwestgrat auf den höchsten Punkt unserer Tour- auf den Hocharn mit seinen 3.254m. Erst auf dem Hocharn kamen uns vier weitere Wanderer, zwei von ihnen werden wir am Zittelhaus wiedersehen, unter. Ansonsten hatten wir den gesamten Grat für uns alleine. Von nun an gings bergab. Rein höhentechnisch zumindestens. Nach unserer wohlverdienten Pause ging es, vorbei an einem Vorgipfel des Hocharn (3.204m), an den Abstieg in die Goldzechscharte. Uns erwartete unangenehm wackeliges Blockgelände im Abstieg, als auch im Aufstieg auf den Goldzechkopf (3.042m). Mittlerweile waren wir in der brütenden Mittagshitze angekommen. Unbarmherzig wurden wir von oben- Sonne, wie auch von unten- Felsen, angenehm mit Wärme (Hitze) bestrahlt. Die langsam auftauchenden Wolken, als Vorboten der angekündigten Wetterfront, ließen etwas Hoffnung auf Schatten entstehen. Wir entschließen uns gegen einen Aufstieg über den schneefreien Grat und zweigen stattdessen über einen alten, nicht mehr markierten Steig auf ca. 2.900m auf das Kleinfleißkees hinunter. Die letzten Höhenmeter stapfen wir, Gott sei Dank unter dem mittlerweile bewölkten Himmel, zum Zittelhaus hinauf, welches wir nach rund 8,5 Stunden erreichten.
Nach einer kleinen Stärkung in Form von Speis und Trank, sowie der Überwindung unserer Mittagsmüdigkeit entschlossen wir uns, den Hüttennachmittag mit Mensch ärgere dich nicht und Mulatschak zu verbringen. Eine kleine Pause von dem nicht endend wollenden Spiel bekamen wir kurz vor 18:00 Uhr, als uns ein Mitarbeiter des Observatoriums zu einer privaten Führung durch die Messstation einlud. Ein Blick hinter die Kulissen der ZAMG inklusive Aufklärung der Tätigkeitbereiche und Erklärung der einzelnen Diagramme erwartete uns. Als abschließendes Highlight durften wir auf den 22m hohen Messturm der Anlage steigen. Leider war mittlerweile Nebel aufgezogen und somit wurde uns der, schätzungsweise grandiose, Ausblick verwehrt. Nach dem Abendessen und einem fulminanten Mulatschak-Sieg (0 zu 110 zu 4) von Martin schrie um 21:00 Uhr endlich unser gemütliches 4-Bett Zimmer. Doch dann war es da- das Gewitter. Mit ungefähr 5 Stunden Verspätung, aber dafür mit umso mehr Blitz und Donner. Und Hagel. Mittendrin statt nur dabei lautete anscheinend das Motto, und somit kamen wir erst als das Gewitter weitergezogen war, zu unserem langersehnten Schlaf.

Tag 2:

Tagwache: 05:00 Früh. Der Wecker hätte uns erst um 06:00 aus dem Bett geholt. Michi mit den Worten „Leitln, es geht gerade so geil die Sonne auf!“. Ok. Also raus aus dem warmen Bett und hinaus in die kühle Morgenluft. Die Prognose für den Sonntag war unsicher, Regen wurde entweder bis Mittag oder ab Mittag angesagt. Wir entschieden uns, nachdem der Morgen nur leicht bewölkt war, für einen baldigsten Aufbruch. Gut gestärkt machten wir uns um kurz nach halb 7 auf den Weg. Die Aufstiegsspur am Kleinfleißkees hinunter bis zum Felsen. Im Schneefeld lagen einige riesige Felsbrocken, das war also der laute Knall gestern Nacht! Schon nach einer guten halben Stunde Gehzeit fing es an, leicht zu nieseln. Eigentlich fein, so ein bisschen Regen. Wir kamen gut voran, die vom Hüttenwirt geschätzten 2 bis 2,5 Stunden bis zum Gasthof “Alter Pocher“ unterboten wir mit 1 Stunde und 40 Minuten. Mutig fragten wir die Wirtin, wie es denn mit einem Taxi aussehe. Große Augen als Antwort. Das einzige Taxiunternehmen in Heiligenblut war 1) „jetzt gleich“ nicht dazu bereit uns abzuholen und 2) war uns der Preis doch eindeutig zu hoch. Na gut, Fußmarsch Richtung Heiligenblut. Plan B, B wie Bus, musste herhalten. Der Regen wurde schleichend mehr, die Stimmung trotz alledem ungetrübt. Busstation Kleinfleißkehre war unser Ziel. Von dort mit dem Bus weiter. So weit, so gut, so undurchdacht.

Wir gingen. Wir joggten mit den Bergschuhen. Wir gingen wieder. Es regnete. Mittlerweile stark. Wie weit war es noch gleich? Gerade als sich langsam ein Tief (ein Stimmungstief, das andere war ja schon da) anbahnte, kam es plötzlich von hinten. Ein Auto. Sofort war er draußen, der Autostopper-Daumen. Ein älterer Vogelforscher erklärte sich allzu bereitwillig uns mitzunehmen, was für ein Glück! Wir entschieden uns mit ihm bis Heiligenblut zu fahren und dort, überdacht im Ortszentrum, auf den Bus zu warten. Gerade als wir zur Bushaltestelle kamen, 3 Minuten vor 9 Uhr, hielt ein Wandertaxi an. Ein älteres Ehepaar, welches bereits bei der Haltestelle wartete, packte die Rucksäcke ins Taxi. Der zweite gewechselte Satz mit dem Taxifahrer war, dass wir vorhin mit ihm telefoniert haben. Zufall?

Er klärte uns auf, dass der Bus nur zur Franz-Josefs-Höhe fuhr, wir also beim Kreisverkehr aussteigen müssten und den Rest, ca. 6km und 643 Höhenmeter, zu Fuß zum Hochtor zu gehen hätten. Wir hielten keine Rücksprache. Geld spielte, nach diesen harten Fakten, keine Rolle mehr. Rein ins Taxi und rauf auf die Glockner Hochalpenstraße. Je höher wir kamen, je länger die Autofahrt dauerte, desto stärker wurde der Regen. Keiner von uns wollte auch nur einen Gedanken daran verschwenden, noch einen Schritt nach draußen zu setzen. Außer das Ehepaar, das startete Etappe 1 bis 4 vom Alpe Adria Trail auf der Franz-Josefs-Höhe. Ob ihnen der Regen nichts ausmachte? Wir wagten uns nicht zu fragen. Als Draufgabe unseres Glückes, bezahlten wir schließlich nur 1/3 dessen, was er uns am Telefon gesagt hatte. So viel Glück an einem Tag?! Kaum zu glauben! Karma, here we go! Hätten wir, wären wir, müssten wir- wahrscheinlich jetzt noch gehen. Perfektes Timing und ein sehr hilfsbereiter Mensch haben uns sehr viel erspart, manchmal muss man einfach das fehlende Quäntchen Glück ergattern. Am Weg hinunter Richtung Ferleiten verschafften wir uns schonmal einen Überblick über eine unserer nächsten Touren. Man sei gespannt.

In Summe konnten wir mit dem Klagenfurter Jubiläumsweg acht weitere 3.000er auf unsere Liste setzen, insgesamt waren es 11 Gipfel auf denen wir standen. Ein durchwegs perfekt markierter, wunderschön angelegter Weg, der schon alleine wegen der atemberaubenden Rundumsicht (Glocknergruppe, Hochkönig, Dachsteingebiet, …) lohnenswert ist.

Rossscharte (2.599 m) – Weißenbachscharte (2.645 m)- Hinteres Modereck (2.930m)- Noespitze (3.005m)- Krumlkeeskopf (3.101m)- Arlthöhe (3.084m)- Schneehorn (3.062m)- Hocharn (3.254m)- Vorgipfel Hocharn (3.204m)- Goldzechkopf (3.042m)- Hoher Sonnblick (3.108m)

3.000er
0
Distanz
0
km
Höhenmeter
0
m
Tiefenmeter
0
m

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