Ortler über den Hintergrat

Pastaparty auf 2661m und die unbestrittene Zuverlässigkeit von Wetter-Apps



Nun ist es endlich so weit: am 22.07.2017 starten wir Richtung Westen- Österreich 2.0 wartet auf uns.

Nach unzähligen Zwischenstopps á la „auf die 5 Minuten kommt es jetzt auch nicht mehr drauf an“ erreichen wir am späten Nachmittag das Dörfchen Sulden in Südtirol. Nach der langen Autofahrt ist die Motivation für den Hüttenzustieg gegen Null und somit gönnen sich 4 von uns um 11,50€ den Luxus einer gemütlichen Sesselliftfahrt zur K2 Hütte mit dem Langensteigsessellift. Nr. 5 weigerte sich vehement gegen eine Auffahrt mit dem Lift und hat, zu unserer Verwunderung, schon unser Quartier bezogen als wir nach 331 gewanderten Höhenmetern unseren heutigen Schlafplatz, die Hintergrathütte, erreichen.

Die Hütte ist voll- unsere Mägen leer.

Abendessen gibt’s im Durchlaufverfahren, die Wartezeit auf einen Platz in der Stube vertreiben wir uns mit der Routenwahl für morgen früh. Leider verbirgt sich der Gipfel hinter den Wolken, sodass wir nur Einblick in den unteren Teil der Route haben. Mit Hilfe von alten Bildern die in der Hütte hängen und der ungefähren Vorstellungen des Geländes lässt sich unsere Planung mit „über den Schutt zum unteren Schneefeld, dann zum oberen und dann sind wir eh schon fast bei der Kletterei“ zusammenfassen. Kurz und bündig, das Gegenteil der Tour also.

Die Teller sind leer- unsere Mägen voll.

Geordert wird (Nudel)Suppe und Spaghetti, so weit, so gut, so viel. Über leere Kohlehydratspeicher darf am nächsten Tag definitiv Keiner klagen. 500g Spaghetti Trockengewicht- ungewogen, ungelogen! Auf die Nachspeise wird bereitwillig verzichtet, so anstrengend war der Hüttenzustieg dann doch nicht.
Da der Wetterbericht für nächsten Tag ab frühen Nachmittag Regen meldet entscheiden wir uns gegen ein Frühstück und für einen frühen Aufbruch. Die beiden Tiroler mit denen wir unser 8 Bett-Zimmer teilen wollen auch früh raus, mit 02:45 Uhr Weckzeit ist jeder einverstanden.

It's Raining Men! Hallelujah! - NICHT

Nach einer kurzen, gewittrigen Nacht sind wir alle schon vor dem Wecker munter. Es regnet. Nicht wenig. Ok- es regnet viel. Meteoblue und bergfex werden verflucht, Ergebnis: keine Wetteränderung. Ok, dann einfach nochmal hinlegen und abwarten. Unsanft werden wir um 03:30 (die offizielle Weckzeit für Hintergratgeher) aus den Betten gerissen- so viel Licht! Kurzer Check am Fenster: weniger Regen. Wir machen uns auf den Weg und wollen zumindest zum Einstieg des Grates. Der leichte Regen geht bald in Nieselregen über, bevor er ganz nachlässt. Der Fels ist zwar feucht, aber trotzdem griffig. Leider lichtet sich der Nebel immer nur kurzzeitig, sodass sich uns der unglaubliche Ausblick auf die Königsspitze, Gran Zebru, Cevedale und die ganze Belegschaft meistens verwehrt bleibt. Wir kommen schnell voran, bis zur ersten „schwierigeren“ Stelle- die Umgehung des Signalkopfes.

Da ist so viel Platz, da kann man sogar tanzen

Einmal wollen wir dieser Aussage gerecht werden und da die Warterei im Nebel, Überraschung: kalt ist, legen wir eine Sang- und Tanzeinlage zu „Macarena“ ein. Original auf ca. 3700hm, außer den 90° Sprung, den haben wir uns gespart. Neidische Blicke soweit das Auge reichte, der verdiente Applaus bleibt aus. Liegt wohl an den kalten Händen.
Die Schlüsselstelle, eine kurze glatte Verschneidung (IV), stellt kein Problem für uns dar und somit setzen wir unseren Weg über das 2. Eisfeld und weiterer Kletterei Richtung Gipfel fort.

Der Nebel kam, die Sonne ging. Die Sonne kam, der Nebel ging.

„I siags Kreuz!“- „Wooooo? So a Blödsinn!“ Durch den Nebel höhentechnisch total orientierungslos, bekommen wir gar nicht mit dass sich das Kreuz direkt VOR uns und nicht wie angenommen, OBER uns befindet. Da wo wir hinschauen ist gar kein Berg mehr sondern Himmel. Blauer Himmel! Der Hintergrat scheint eine Wetterschneise zu sein, denn auf der Nordseite ist keine Spur von Nebel. Perfekt also für den zweiten Teil der Tour- der Abstieg.
Nach einer ausgiebigen Gipfelrast finden wir in unsere Steigeisen und marschieren los, über den flachen Gletscher Richtung Lombardibiwak. Die erste Abseilstelle lassen wir gut hinter uns, der weitere Abstieg ist unschwierig und bald können Steigeisen und Pickel wieder im Rucksack verschwinden.
Kurz vor der zweiten Abseilstelle staunen wir nicht schlecht als wir um die Kurve biegen. Gibt’s da was gratis?! Die gesamte Gipfelpausen-Mannschaft wieder vereint. Wir zählen 24 Bergsteiger. 24x25m abseilen. Wir schließen auf, machen es uns so gut es geht gemütlich und stellen uns auf eine „etwas längere“ Pause ein.

Could be worse- could be raining.

„Das letzte Mal hat’s 1,5h Stunden gedauert. Da waren aber nicht so Viele“. Sätze die Mann und Frau nicht unbedingt hören wollen. Die Seilschaft welche nach uns kommt, entmutigt uns ein bisschen. Aber Gott sei Dank ist von dem vorhergesagten schlechten Wetter noch weit und breit nichts zu sehen und nach fast 1:45h können auch wir die 25m abseilend hinter uns lassen.
Der Weiterweg ist unkompliziert und so taucht auch bald die Payerhütte in unser Sichtfeld. Nach einer flüssigen Stärkung geht es ohne weiteren Zeitverlust vorbei an der Tabarettahütte hinunter ins Tal.
Diesen Bergtag lassen wir gemütlich bei Sonnenschein mit Burger und Pizza ausklingen bevor sich 3/5 von uns auf den Heimweg machen und 2/5 den ersten Abend des Urlaubs feiern (also um 19:30 schlafen). 


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