Pragser Dolomiten

Call it heaven - zwei Tage im Powderparadies Tourenausflug in die Dolomiten



Spontane Entscheidungen sind bekanntlich immer die Besten. Faschingsdienstag 18:00 Uhr: „Fahr ma morgen in die Dolomiten?“ – „Ja passt, 6:30 Uhr Abfahrt“.  
Hütte ist reserviert, Wettervorhersage ist strahlend blau und die Temperaturen arschkalt, kurzum: perfekte Bedingungen.

Tag 1: Pragser Wildsee- Großer Jaufen- Kleine Gaisl über die Rote Wand- Sennes Hütte

Gemütlich starten wir um 11 Uhr unsere Tour an dem so gehypten Pragser Wildsee. „Ist wahrscheinlich wirklich ein Sommersee“- im Winter irgendwie gar nicht so spektakulär wie auf den ganzen Instagram Bildern. Wir überqueren, wie viele andere Touristen auch, den See und steigen am anderen Ende über ein mäßig ansteigendes Gelände in Richtung Süden auf. Die erste Steilstufe bringt uns in einen Kessel welcher uns den Blick auf unser heutiges Ziel, die Kleine Gaisl, freigibt.

Unberührte Winterlandschaft so weit das Auge reicht

Links und rechts lauern unberührte Hänge, bereit von uns verspurt zu werden. Wir sind hin und hergerissen, sollen wir den Großen Jaufen noch mitnehmen? „Schauts euch den Hang an!“ Beschlossene Sache, der muss mit. Wir halten uns links, der Sonne entgegen, die sanften Hügel ansteigend hinter uns lassend. Wir beobachten zwei Tourengeher die gerade den Nordhang zur Roten Wand hinaufspuren. In Anbetracht dessen, dass die „kürzere“ Variante auf die Kleine Gaisl möglich ist, genießen wir den Aufstieg und die zusätzlichen Höhenmeter.

Wir zaubern drei Reißverschlussspuren in den unverspurten Gipfelhang, mit dem dunkelblauen Himmel- einfach kitschig! Mit einem breiten Grinsen im Gesicht fellen wir im Kessel erneut auf und marschieren in Richtung Kleine Gaisl. Bald stoßen wir auf die Aufstiegsspur welche die beiden Tourengeher vor uns angelegt haben und arbeiten uns mit Hilfe von 17 Spitzkehren die 350 Höhenmeter zur Roten Wand hinauf. Diese Variante ist wirklich nur bei absolut sicheren Schneebedingungen zu empfehlen! Andernfalls muss die Rote Wand westseitig umgangen werden, was einen zusätzlichen Zeitaufwand von ca. 1h mit sich bringt, und danach die Kleine Gaisl über die Südflanke bestiegen werden.
Der ständige kalte Wind setzt uns allmählich zu und lässt die verbleibenden Höhenmeter bis zum 2859m hohen Gipfel umso langsamer vergehen.

Die Sonne steht schon tiefer am Horizont, der Weg bis zur Hütte noch weit.

Wir fahren den breiten Rücken und die Südflanke der Kleinen Gaisl ab, kurz bevor die Sonne hinter den Bergspitzen verschwunden ist und gleichzeitig damit auch die angenehme Wärme. Die Temperaturen sinken mit Hilfe des Windes in kürzester Zeit unter die -20°C Grenze.
Eine Kuppe nach der anderen wird über- und umgangen und endlich taucht die Hütte in unserem Blickfeld auf, wobei dieses Nobel-Hotel den Namen „Hütte“ nicht verdient hat.

Pünktlich zum Abendessen nehmen wir in der gemütlichen Stube der Sennes Hütte www.sennes.com platz und genießen die südtiroler Spezialitäten, gekrönt mit einem original italienischen Kaffee, einer der saftigsten Sachertorten die jemals gegessen wurden und was natürlich bei keinem Hüttenabend fehlen darf: eine (lange) Runde Mulatschak.

2.Tag: Sennes Hütte- Monte Sella di Senes- Col di Riciogogn- über die Seitenbachscharte und das Seitenbachtal zurück zum Pragser Wildsee

Das großzügige Frühstücksbuffet findet bei uns den gleichen Anklang wie das sehr leckere Abendessen. Ausgeruht und frisch gestärkt verabschieden wir uns von den zuvorkommenden Gastgebern und machen uns auf in Richtung Monte Sella di Senes. Auch wenn hohe Wolkenfelder die Sonne verdecken, sind wir immer noch gefesselt von der unberührten Natur und der vollkommenen Stille die uns umgibt. Keine Menschenmassen, lediglich wir drei und ein Haufen knirschender Schnee unter unseren Skiern.

„Abfahrt über die Ostflanke?!“ - „Fix!!“

Julias Gedankengang war eher „fix NICHT!!“ aber bei den zwei Männern hat man wenig Mitspracherecht was Abfahrten angeht. Das 100%ige Vertrauen ineinander hat uns wohl eine der schönsten und längsten Abfahrten vom 2787m hohen Monte Sella di Senes des gesamten Winters beschert!

Die Oberschenkel brennen vom fahren, die Wangen vom Dauergrinsen

Nachdem uns die Sennes Karspitze zu verspurt war, entschieden wir uns für den Aufstieg auf den Col di Riciogogn (2650m). Bevor der große Ansturm vom Ostanstieg den Gipfel erreicht, suchen wir uns ein letztes Mal ein Stückchen Himmel auf Erden und wedeln erneut in Ekstase.
Unser Weiterweg führt uns, erneut auffellend, zur Seitenbachscharte und von dort über das Seitenbachtal zurück zum Ausgangspunkt, den Pragser Wildsee.

Mit einem wehleidigen Blick zurück lässt sich (Gott sei Dank) nicht erahnen welche atemberaubende Landschaft sich hinter der ersten Steilstufe befindet. Für die ganzen Touristen mag der Pragser Wildsee schon ein Highlight sein, für Bergsteiger beginnt die Faszination einen Schritt weiter.

Danke Hons Kronberger für die Fotos 🙂

Datum: 14. - 15. Februar 2018

Dauer
0
Stunden
Aufstieg
0
Höhenmeter
Distanz
0
Kilometer

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