Spaghetti Runde

Spaghetti Runde - dort wo der Name Programm ist

Eine Durchquerung des Monte Rosa Gebietes- eine Geschichte in drei Akten
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Spaghetti Runde - dort wo der Name Programm ist

Eine Durchquerung des Monte Rosa Gebietes- eine Geschichte in drei Akten
Bereits seit fast zwei Jahren spukt uns diese sagenumwobene Runde in unseren Köpfen herum. Was anfänglich reine Träumerei war, wird nun zur Wirklichkeit. Nachdem alle Vorkehrungen getroffen und sämtliche Besorgungen getätigt worden sind, beginnt die lange Reise nach Zermatt.
Das kleine Örtchen Zermatt- idyllisch, autofrei und teuer. Nach mehreren Dorfrundgängen (die Dauer eines Spazierganges durch Zermatt ist überschaubar) und einem Museumsbesuch stimmen wir uns bei Kaffee, Pizza und Bier auf die nächsten, vor uns liegenden Tage ein. Ein Blick auf das Wahrzeichen Zermatts, das Hörnli, bleibt uns bis zum letzten Augenblick verwehrt. Erst als unsere Reise, mit dem Matterhorn Express auf das Kleine Matterhorn beginnt, wird uns die Faszination dieses atemberaubenden Berges bewusst und warum er auf so viele Bergsteiger eine magische Anziehungskraft besitzt.

Höhenluft auf 3883m schnuppern- ohne Anstrengung fast auf dem Gipfel des Großglockners

Mit einigen Breithorn-Aspiranten beginnen wir mit dem Aufstieg auf den westlichen Gipfel des Breithorns auf 4164m, wohlwissend, dass unser Weg uns noch weiterführt. Da wir noch genügend Zeit vor uns haben, nehmen wir den Mittelgipfel des Breithorns mit seiner markanten Firnflanke ebenfalls noch mit. Überwältigt von der Aussicht der umliegenden Bergkette können wir unser Glück noch immer kaum glauben. Kann das Leben noch perfekter sein? In diesem Moment lautet die Antwort auf diese Frage definitiv nein! Gemütlich machen wir uns an den Abstieg zu unserem ersten Etappenziel: Rifugio Guide d’Ayas. Mit etwas Überzeugungskunst entfliehen wir dem 20er Lager und können uns allein im Winterraum ausbreiten.

Über den Wolken kann die Freiheit nur grenzenlos sein

Nach einer schlaflosen, kurzen Nacht entschließen wir uns am nächsten Morgen den direkten Weg über den Castor und das Felikhorn zur Rifugio Quintino Sella zu nehmen. So früh am Morgen ist es in der Westflanke doch etwas „frisch“ und umso glücklicher sind wir, als uns nach dem Bergschrund und der etwa 10 Meter langen, blanken Eispassage die ersten Sonnenstrahlen des Tages ins Gesicht scheinen. Auf dem Gipfelgrat pfeifft uns ein eisiger Wind um die Ohren, nichtdestotrotz genießen wir diesen Traum von strahlend blauem Himmel über und endloser Weite um uns. Nach einem schnellen Gipfelfoto auf 4228m erfolgt der Abstieg entlang des ebenso traumhaften Südostgrates bis zum Colle del Felik und weiter in südlicher Richtung zur Rifugio Quintino Sella. Den Nachmittag lassen wir gemütlich auf der Hüttenterrasse ausklingen und können unsere Augen kaum von unserem nächsten Ziel, dem Lyskamm, lassen. Am Abend erhaschen wir noch den Blick auf einen jungen Steinbock, der es sich in unmittelbarer Umgebung zur Hütte gemütlich gemacht hat.

Lyskamm der Menschenfresser

Aufgrund der schlechten Wettervorhersage machen wir uns sehr zeitig auf den Weg zu unserem dritten Ziel. Schlaftrunken steigen wir wieder zum Felikhorn 4078m auf und bewegen uns nun als Grenzgänger nahe der schweizerisch-italienischen Grenze entlang in Richtung Westflanke zum Vorgipfel des westlichen Lyskamm-Gipfels. Gebannt durch die wunderschöne Morgendämmerung erscheint das Schlafdefizit gleich weniger schlimm. Leider bewahrheitet sich das Sprichwort Morgenrot macht Wetter tot und so steigen wir zwar bei perfekten Verhältnissen, jedoch umgeben von heraufziehenden Nebelschwaden, den 35-45° steilen Firnhang zum Gipfel auf 4479m hoch. Bei dem Anblick des ca. 2km langen Lyskamm-Grates sind wir uns nicht einig, ob Freude oder Angst die überlegenen Gefühle sind. Wo wir uns auf jeden Fall einig sind, ist die gehörige Portion Respekt. Diese ist wohl auch angebracht, da die Lyskamm-Überschreitung zu einer der längsten, ausgesetztesten sowie auch zu den schönsten Grattouren der Alpen zählt.
Nach einigen tiefen Atemzügen betreten wir den Grat, der schon auf den ersten Metern sehr, sehr schmal wird. Sachte einen Schritt vor den anderen setzen. Die Reihenfolge der Schritte geht bald in eine tranceartige Bewegung über, nur das Hier und Jetzt zählt. Zeit für anderer Gedanken bleibt nicht. Der Pickel? Rein aus Gewohnheit in der Hand, Platz zum Abstützen ist hier negativ. Zwischenzeitliche Kletterpassagen holen uns wieder zurück und zwingen uns, links und rechts zu sehen. Wobei der Blick links, sowie auch rechts jeweils 1000hm in die Nord- bzw. Südwand wandert. Zum Glück umhüllt uns noch immer dichter Nebel, sodass uns das Ausmaß dieser 1000hm nicht bewusst wird. Aber lediglich das Wissen darüber, lässt das Herz etwas schneller schlagen. Wie lange wir am Grat verbringen wissen wir nicht, die stetige Abfolge von atmen und vorsichtigem gehen umhüllt uns, wie der Nebel es tut. Plötzlich ist nur noch der letzte Firnhang zum Lyskamm-Ostgipfel vor uns. Langsamen Schrittes erobern wir den Ostgipfel mit seinen 4527m. Zeit für Freude haben wir bei dem Anblick des anspruchsvollen Abstieges kaum. Nach einer kurzen Verschnaufpause heißt es nochmal volle Konzentration und hoffen, dass die Füße den Augen folgen. Erst als wir etwas westlich des Lisjochs angekommen, können wir wieder tief durchatmen- wir haben es geschafft!

Wenn das soeben erlebte, plötzlich real wird

Da saßen wir nun, am Fuße des Lyskamm Ostgipfels, teilweise im kompletten White-out. Jeder von uns ist in seinen eigenen Gedanken versunken, nur die melancholische Melodie des Trompetenspielers am 4178m hohen Entdeckungsfelsen, der sich zu unserer Linken befindet, dringt durch den dichten Nebel zu uns herüber. Die Entscheidung, dass wir die Spaghetti Runde an dieser Stelle abbrechen, haben wir gefällt. Drei Tage, stetig auf über 3000m Höhe, haben Auswirkungen gezeigt und die Gesundheit hat höchste Priorität. Jeder weiß, dass es die richtige Entscheidung ist, dennoch fällt der Abschied von dieser unbeschreiblichen Szenerie, wenngleich sich der Nebel zwischendurch mal lichtet, unglaublich schwer. Immer mal wieder gewinnt die Sonne den Kampf gegen den Nebel und gibt uns den Blick auf die Vincentpyramide (4215m), das Balmenhorn (4167m), Schwarzhorn (4321m), die Ludwigshöhe (4341m), Parrotspitze (4432m) und die Signalkuppe bzw. Capanna Regina Margherita (4554m) frei. Ein Anblick, der seinesgleichen sucht. Umringt von 4000-ern fühlt man sich als Mensch in dieser Landschaft nicht nur klein, sondern zeigt uns auch, dass wir nur Besucher sind. Besucher die geduldet sind, aber keineswegs Anspruch erheben dürfen.
Da saßen wir nun, am Fuße des Lyskamm Ostgipfels, teilweise im kompletten White-out. Jeder von uns ist in seinen eigenen Gedanken versunken, nur die melancholische Melodie des Trompetenspielers am 4178m hohen Entdeckungsfelsen, der sich zu unserer Linken befindet, dringt durch den dichten Nebel zu uns herüber. Die Entscheidung, dass wir die Spaghetti Runde an dieser Stelle abbrechen, haben wir gefällt. Drei Tage, stetig auf über 3000m Höhe, haben Auswirkungen gezeigt und die Gesundheit hat höchste Priorität. Jeder weiß, dass es die richtige Entscheidung ist, dennoch fällt der Abschied von dieser unbeschreiblichen Szenerie, wenngleich sich der Nebel zwischendurch mal lichtet, unglaublich schwer. Immer mal wieder gewinnt die Sonne den Kampf gegen den Nebel und gibt uns den Blick auf die Vincentpyramide (4215m), das Balmenhorn (4167m), Schwarzhorn (4321m), die Ludwigshöhe (4341m), Parrotspitze (4432m) und die Signalkuppe bzw. Capanna Regina Margherita (4554m) frei. Ein Anblick, der seinesgleichen sucht. Umringt von 4000-ern fühlt man sich als Mensch in dieser Landschaft nicht nur klein, sondern zeigt uns auch, dass wir nur Besucher sind. Besucher die geduldet sind, aber keineswegs Anspruch erheben dürfen.
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