Wengeraurunde

Warum sich den-Griller-um-14:00 Uhr-einheizen bei einer Tagestour nicht ausgeht und wieso der Zufall die besten Begegnungen parat hält.



Sonntag 11. Juni 2017

Schon tagelang im Voraus waren die Wettervorhersagen für den Sonntag mehr als sonnig. 15 Stunden ungetrübter Sonnenschein wurde prognostiziert, ungewöhnlich schnell stand fest, wohin es uns verschlagen wird. Eine Tour, lange schon auf unsere To-Do-Liste, sollte es werden. Im wunderschönen Tennengebirge, fast direkt vor der Haustüre.

Der Gipfel des Eiskogels diente uns mit seinen 2321m und der perfekten Rundum-Sicht als Ort der kurzen Lage- und Wegbesprechung. Des Öfteren fielen Sätze wie „Da müss ́ma rüber?!“ und „Ganz schön weit!“ Aber geplant ist geplant! So fädelten wir uns wieder im Gänsemarsch auf und stapften über das eine oder andere Schneefeld lustig und munter Richtung Ziel.

Da das Gipfelkreuz der Schartwand leider nicht mehr existiert, allgemein die Einstellung „A Gipfel ohne Kreuz ist kein Gipfel“ herrschte und in weiser Voraussicht was für eine Strecke noch vor uns lag, entschieden wir uns, die Schartwand rechts liegen zu lassen und den rot-weißen Markierungen weiter Richtung Westen zu folgen.

„Um halb 1 Mittag gehört a Jause her“. Da es die Uhrzeit verlangte und wir nun doch schon über 5 Gehstunden unterwegs waren, entschieden wir uns für eine Mittagspause. Um halb 1 Uhr mittags. Ungeschützt. In der prallen Sonne. Mitten im Hochplateau des Tennengebirges. Vor sowie hinter uns keine Menschenseele. Das Ziel genauso weit weg der Start. Das Fernglas wurde ausgepackt und der weitere Wegverlauf besprochen. Ganz schon weit, so viel stand fest.

Brot und Müsliriegel stellten uns soweit wieder her, dass nun der weitere Weg bestritten werden konnte. Nächstes Ziel: Edelweißerhütte mit der Villa Dachsteinblick am Mittleren Streitmandl! Entgegenkommende hoben unsere Laune und Motivation und ein Vielfaches, als auf die Frage ob es auf Edelweißerhütte denn etwas zu trinken gebe, mit „Ja“ geantwortet wurde. In der brütenden Hitze, den kühlen Radler vor Augen, trugen uns unsere Beine die letzten 200 Höhenmeter zur Hütte. Noch nichtmal ganz um die Ecke, stand auf einmal Ralf vor uns- ein Bergrettungskollege aus dem Flachgau! Er wollte sich melden, dann doch wieder vergessen, eine gemeinsame Tour ausmachen, und jetzt zufällig getroffen! Die Freude über das Wiedersehen überwog FAST die Freude über das kühle Bier.

Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet uns, es wäre Zeit den Griller einzuheizen! 5 Minuten vor 2 Uhr. Leider war Rudi weder daheim, noch besaß die Hütte einen Grill der stattdessen eingeheizt werden konnte. Kurze Vorwürfe á la „Du hast gesagt wir sand um 1 auf da Werfner Hütte“, „Mei Frau wartet mit der halben Kuh im Kühlschrank auf mi!“ zeigten deutlich, dass die Kräfte wieder wuchsen und die kurzzeitige Niedergeschlagenheit überwunden war. Da man in solchen Situationen wenig machen kann, außer den Durst mit noch einem Radler zu stillen, beschlossen wir, unseren Beinen vor dem anstehenden Abstieg noch ein wenig Pause zu gönnen und den gewohnten „Laschatz“ wieder aufzunehmen.

Das unverhoffte Wiedersehen, der kühle Radler, die kurze Rast, den höchsten Punkt hinter uns, setzten wir unseren Weg mit einer Leichtigkeit in den Füßen, die wir schon seit gut 7 Stunden nicht mehr hatten, fort in Richtung nächster uns letzter Rast- die Werfner Hütte.

Die Euphorie hielt an, durch ein großes Altschneefeld kamen wir beim Abstieg zügig voran und als Bonus wurden unsere Fußsohlen auch noch ein wenig gekühlt. Schnell noch bei den Latschen vorbei, einen kurzen prüfenden Blick auf die Kletterrouten-Bohrer an der Hochthron Südflanke geworfen und schon fanden wir uns auf der Terrasse der Werfner Hütte wieder. Gulaschsuppe, Hüttenomelette, Nudelsuppe, Dal Bash, Weizencola und Sodazitron mussten her. Zum „drüberstrahn“ noch einen Nachmittagskaffee und Kaiserschmarren- so lässt es sich leben, allemal verdient!

Der Nachmittag war schon weit fortgeschritten, als wir uns satt und müde über den Tanzboden und die Elmaualm zurück in die Wengerau, zu unseren Autos und auch endlich Heim Richtung Griller machten.


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